Ayurveda - Ernährung für Kinder
Richtige Ernährung für Kinder
von Kerstin Rosenberg
Die richtige Ernährung ist für die Gesundheit, das Wachstum und die emotionale Entwicklung des Kindes von größter Wichtigkeit. Mit den täglichen Speisen erhält der kindliche Organismus alle Bausteine für eine aktive Zellerneuerung, ein starkes Immunsystem und einen klaren Geist.
Doch wie viele Mütter wissen - entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung von gesunden Ernährungsvorschlägen ist eine freudige, genußvolle und undogmatische Umsetzung im Alltag. Um gegen - mit großem Werbeetat angepriesene und von hochdotierten Fooddesignern geschmacksveränderten -Fastfood-Produkte und Süßigkeiten anzukommen, bedarf es Kreativität, Diplomatie und Geduld, mit der sich Kinder im Sinne einer selbstbestimmten und hochwertigen Lebenssweise entwickeln können. Wird eine gesunde Ernährung mit zwanghaftem Diktat und fanatischem Eifer vertreten, ist die Provokation von Wiederstände und Eßstörungen vorprogrammiert, die fatale Folgen für die körperlichen und geistige Gesundheit des Kindes haben können.
Aus der Erfahrung mit meinen drei eigenen Kindern weiß ich, wie sehr ein frisches und liebevoll zubereitetes Essen geschätzt wird. Eine Mutter (oder Vater), die noch selbst kocht und dabei auf die Bedürfnisse ihres Kindes eingeht, wird heute im Kindergarten und der Schule als Statussymbol gehandelt und der Mittagstisch wird häufig von Freunden frequentiert, die sich zum Essen eingeladen haben. Die Sehnsucht, bei harmonischen Familienmahlzeiten „gut genährt zu werden“ bezieht sich nicht nur allein auf die Qualität und Zubereitung unserer Speisen, sondern auch auf die Atmosphäre und die Gespräche während des Essens. Mit den täglichen Mahlzeiten können unsere Kinder Vitalstoffe, Kraft und Liebe aufnehmen, die sie für alle Unternehmungen des Lebens stärken.
Kinder-Ernährung nach den Prinzipien des Ayurveda
Sich optimal zu ernähren ist eine individuelle Angelegenheit: Denn nicht für alle Menschen gelten die gleichen Ernährungsregeln, da jeder ber einen eigenen Stoffwechsel und individuelle Verdauungskraft verfügt.
Eine Lehre, welche die individuellen Ernährungs- und Gesundheitsprizipien vertritt ist der Ayurveda: Die Wissenschaft vom langen Leben, wird als die älteste uns überlieferte Medizin bezeichnet. Mit seinem ganzheitlichen Wissen um die Zusammenhänge von Körper, Geist und Seele findet diese in Indien beheimatete Heilkunde auch im Westen immer größere Verbreitung. Als vielfach angewendetes Gesundheitssystem verfügt Ayurveda auch in der Kinderheilkunde über hochwirksame Behandlungsmethoden, eine ausgereifte Pflanzenheilkunde und eine umfassende Ernährungslehre.
In der ayurvedischen Ernährungslehre wird jedes Kind und jeder Mensch individuell entsprechend seiner Konstitution, seines Stoffwechsels und seiner Lebenssituation betrachtet und erhält darauf abgestimmt einen ausgewogenen Speise- und Therapieplan für sein körperliches und psychisches Wohlbefinden. Leichte Verdaulichkeit, Energie spendende Nahrungsmittel sowie ausgewogene Geschmacksvielfalt stehen dabei im Zentrum der Diätetik. Mit individueller Nahrungsmittelauswahl, speziellen Zubereitungsformen und begleitenden Gesundheitsempfehlungen werden die täglichen Mahlzeiten als wirkungsvolle Therapeutika eingesetzt, welche für gesunde und glückliche Kinder sorgen , aber auch in der Behandlung ernährungsbedingter Krankheitsbilder eingesetzt werden können.
Gelingt es uns, Kinder die ersten 10 Lebensjahre gut und vitalstoffreich zu ernähren, so schaffen wir eine gesunde Lebensgrundlage für ein ganzes Leben.
Der Ayurveda sagt, daß sich eine ausgeglichene Konstitution mehr als 20 Jahre Raubbau mit der eigenen Gesundheit leisten kann, bevor starke Beschwerden auftreten. Haben wir jedoch nur ein labiles Körpersystem, so reichen bereits wenige Fehler, um den gesamten Organismus aus dem Gleichgewichts zu bringen. So lohnt sich der Einsatz für eine natürliche und ausgleichende Ernährungsform in der Kindheit in potenzierter Weise.
Der Ernährung des Kindes einen übermäßigen Stellenwert zuzuordnen ist ebenfalls gesundheitsschädlich, den eine zu strenge Ernährung macht die Kinder zum Außenseiter im sozialen Leben und dies kann weit größere Schäden als ein kleines Eis oder ein paar Gummibärchen hervorrufen: Kinder wollen sich durch eine gesunde Ernährungsform nicht gegängelt und kontrolliert fühlen: Geschieht dies, so wird das mentale Gleichgewicht (manas prakriti) durcheinandergebracht und bewirkt eine Mangelernährung im energetischen und emotionalen Bereich.
Je älter die Kinder werden, umso besser können sie den Sinn einer guten Ernährung verstehen. Gelingt es den Eltern jedoch nicht, eine positive, gemeinsame Übereinstimmung über die häusliche Ernährung mit den Heranwachsenden zu erzielen, so können sich diese immer stärker der häuslichen Ernährung zu entziehen. Beziehen Sie deshalb ihre Kinder frühzeitig in die Speiseplangestaltung mit ein und überlegen Sie gemeinsam wie sie ihre Mahlzeiten gestalten und zubereiten möchten
Tabelle: Wichtigste Ernährungsregeln für Kinder
- Kinder brauchen frische, liebevoll zubereitete und abwechslungsreiche Speisen
- Kinder sollten in Ruhe und im regelmäßigen Rhythmus essen
- Sehr schwere, süße, saure oder salzige Nahrungsmittel (speziell Fertigprodukte) ist für Kinder ungeeignet
- Gekochte Gemüse, leichte Getreide, süße frische Früchte und Trockenfrüchte sind wichtige Bestandteile einer gesunde Kinderernährung
- Frische Kuh- oder Ziegenmilch sollte in den Speiseplan von Kindern integriert werden, muß aber alleine (speziell nicht in Kombination mit Fisch, Fleisch, Eiern, sauren Früchten) eingenommen werden.
- Milchprodukte wie Joghurt, Quark oder Käse sollten nur in sehr kleinen Mengen gegessen werden – und nur wenn keine kapha-Störungen (wie z.B. Erkältungskrankheiten, Verschleimung, asthmatische Beschwerden) vorliegen
- Zitrusfrüchte, Beeren und Tomaten sollten nur in sehr kleinen Mengen gegessen werden – und nur wenn keine pitta-Störungen (wie z.B. Hautrötungen und -Erkrankungen, Entzündungen und Verhaltensauffälligkeiten in Form von übermäßifer Agresssion und Unruhe) vorliegen
- Kalte, trockene und chemisch veränderte Speisen wie übermässig viel Brot, Kekse sowie alle konservierten Nahrungsmittel mit Emulgatoren und Geschmacksverstärker sollten gemieden werden, ganz besonders wenn eine vata-Störungen wie Nervosität, Bettnässen, Schlafstörungen, Hyperaktivität und Immunschwäche vorliegen.
- Schenken Sie ihren Kindern viel Zuwendung, Zeit und Aufmerksamkeit beim Essen, den während der Mahlzeiten werden auch positive Emotionen aufgenommen und verdaut.
- Beziehen Sie Kinder in die Speiseplangestaltung mit ein. Die wichtigste Nahrung für Kinder ist Liebe, Liebe, Liebe
Genußvoll und Gesund - Essen für Kinder im Kindergarten- und Schulalter
Ab dem 4. Lebensjahr beginnt ein neuer Lebensabschnitt für Mutter und Kind. Das Kind wird selbstständiger, entwickelt eigene Beziehungen und Freundschaften und bringt sich nun sehr deutlich in seinen psychischen Konstitutionseigenschaften in das soziale Leben ein.
Für die gesunde Kinderernährung stellt dies teilweise eine pädagogische Herausforderung dar, da häufig emotinale Spannungen über das Essen kompensiert werden. Da wird zum Essen gezappelt und gemeckert nicht weil das Essen nicht schmeckt, sondern aufgrund subtiler Auseinandersetzungen mit den Eltern, Geschwistern oder anderen Kindern. Oftmals dind die Mahlzeiten die einzige Zeit am Tag, in der die Familie zusammen kommt und hier drückt das Kind nun seine Sorgen, Wunsche und Bedürfnisse auf aufsehenserweckende Weise aus.
In diesem Spannungsfeld die Balance zwischen Disziplin und Toleranz zu finden ist für die Eltern manchmal gar nicht so einfach! Einerseits ist es wichtig, das Kinder liebevolle Konzequenz in der Ernährung erfahren und Wünsche nach schädlichen Nahrungsmitteln (wie z.B. Süßigkeiten) keine unmittelbare Erfüllung finden. Andererseits sollte der richtige Ernährung auch kein unangemessen großer Stellenwert eingeräumt werden, den Ernährung ist keine Religon. Umso wichtiger ist es, eine Alternative zu schaffen, mit der die schlecht verträglichen Speisen gegen gesunde und wohlschmeckende ausgetauscht werden können: Statt Nudeln mit saurer Tomatensoße bereiten wir für die Kinder die keine sauren Speisen essen sollten (z.B. Neurodermitiker) leckere Nudeln mit roter Gemüse-Kräutersoße zu, und als Dessert-Alternative reicht das ayurvedisch Repertoire von knusprigen Waffeln mit Mangosahne bis zum Mandelpudding.
Lustige Essengeschichten und phantasieanregende Essensbilder sind ebenfalls eine Motivation für gutes und gesundes Essen: Bei meinen eigenen Kindern war die rund geschnittene Karin-Kreis-Karotte, der eckige Quamo-Quadrat-Kohrabi und die dreieckigen Dora-Dreieck-Paprikastückchen für lange Zeit tägliche Besucher am Mittagstisch und sie erlebten viele Abendteuer, wenn sie gemeinsam durch die Risi-Pisi-Reis-Wüste wanderten oder ihren Weg durch den Salatdschungel finden mussten. Aus Nudelsoßen wurden Zaubersoßen, die uns ins Traumland von Feen und Elfen brachten der Kartoffelbrei mit Brokkolie schmeckte als Kartoffelberg mit Brokkoliewald, in dem kleine Mandelzwerge ihre Schätze hüten, gleich viel besser.
Mit oder ohne Fleisch?
Die Frage, ob eine Kinderernährung ausschließlich vegetarisch sein sollte, läßt sich nicht einfach mit ja oder nein beantworten, denn viele unterschiedliche Faktoren und Überlegungen spielen in der Beurteilung eine Rolle.Grundsätzlich ist die Ayurveda-Küche nicht automatisch ein Verfechter der fleischlosen Ernährung, sondern betachtet die unterschiedlichen tierischen Eiweiße differenziert mit ihrer grob- und feinstofflichen Wirkung im Rahmen einer Alltagsernährung oder im therapeutischen Einsatz.
Einige der größten Ernährunsgfehler geschehen durch den übermässigen Konsum und die falsche Zubereitung von Fleisch. Wird z.B. das tierische Eiweiß mit falschen Nahrungsmitteln kombiniert, so entstehen sofort toxische Giftstoffe, die den Organismus belasten. Ebenso ist der regelmäßige Genuß von Fleisch der spirituellen Entwicklung und geistigen Förderung abträglich.
In der Kinderernährung gilt: Je länger die Kinder vegetarisch ernährt werden können, umso besser für ihre persönliche Entwicklung und den harmonischen Reifeprozess. Damit keine Mangelerscheinungen auftreten ist es unerlässlich, in den tägichen Speiseplan ausreichend Hülsenfrüchte und Nüsse zu integrieren. Gerade für Kinder die unter Agressionen, Hyperaktivität oder starken Entzündngen im Körper leiden, ist der Verzicht auf Fleisch unter therapeutischen Gesichtspunkten sinnvoll. Andere Kinder hingegen benötgen die kraftvolle Substanz und Stabilität, die sie aus dem Fleischverzehr gewinnen können und sollten 1-2 x pro Woche etwas Geflügel mit viel Gemüse und etwas Reis (optimale Kombination!) verzehren .
Meine Kinder konnten immer sehr gut mitteilen, ob und wann sie gerne ihre Nahrung mit etwas Fleisch angereichrt bekommen wollten. Meist war dies mit Phasen von körperlichen Wachstumsschüben, mentalem Stress oder auszehrenden Umweltbedingungen, wie sie z.B. im Winter vorherschen verbunden. Aus gesundheitlicher Sicht spricht nun nichts dagegen, dem entgegenzukommen, in dem mehr etwas tierisches Eiweiß in den Speiseplan integriert wird. Als Regel für den Fleischgenuß gilt: je kleiner und beweglicher die Tiere , umso besser. Das heißt, das Lamm ist besser als die Kuh, das Hühnchen besser als die Gans. Entsprechend der Konstitution sind unterschiedliche Fleischsorten mehr oder weniger zu empfehlen. Diese sollten möglichst mit etwas aromatischen Gewürzen und Kräutern auf leicht verdauliche Weise zubereitet werden und keinesfalls mit Milch, Milchprodukten, sauren Früchten oder anderen Fleischsorten gemischt werden.
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